Biographie Sammy Davis Jr.

Sammy Davis Jr. war nicht nur ein Entertainer, Sänger, Showman und Filmstar, sondern auch ein engagierter Schwarzer, der für die Menschenrechte an der Seite von Martin Luther King marschiert.

Die Eltern von Sammy Davis Jr. tingelten als Varieté-Künstler durch die Lande. Es war die Zeit der Prohibition; zum Trinken traf man sich in den Hinterzimmern zwielichtiger Etablissements. Das Rahmenprogramm zum verbotenen Rausch bestand in jenen Shows, die Sammy Davis Jr.‘s Eltern gaben.

In diese Atmosphäre wird Sammy Davis Jr. im Jahr 1925 im New Yorker Stadtteil Harlem hingeboren. Schon mit drei Jahren steht er mit der Familie auf solchen kleinen Bühnen. Die Atmosphäre prägt den Jungen; die Schule kommt zu kurz, dafür hat Sammy einen hervorragenden Lehrmeister im Stepptanz: Bill "Bojangles" Robinson. Im Alter von fünf Jahren bildet er mit Sammy sr. und Adoptivonkel Mastin das Will Mastin Trio.

1943 meldet sich Sammy Jr. zur Luftwaffe, doch er wird aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt. So landet er bei der Truppenbetreuung. Er bekommt die Gewalt des rassistischen Hasses voll mit. Mehrfach wird er verprügelt, bricht sich die Nase - diese Gewalttätigkeiten kann man sein ganzes späteres Leben hindurch noch am Gesicht ablesen. Als GI Sammy zu einer Spezialtruppe eingezogen wird, kann er endlich sein Showtalent beweisen. Endlich zieht er Bewunderung auf sich. 1946 kann er mit "The Way You Look Tonight" seinen ersten Erfolg landen..

In den 40er Jahren perfektioniert er sein Tanztalent, lernt Trompete spielen, Schlagzeug, Klavier und andere Instrumente. Zu der Zeit kann man ihn gelegentlich in den Big Bands von Woody Herman und Lionel Hampton sehen und hören. Dann folgt ein Engagement bei Ciro in Hollywood. 1954 stößt er zum "Rat Pack", dem Freundeskreis um Frank Sinatra, Shirley MacLaine, Peter Lawford und Dean Martin. Im gleichen Jahr kommt sein erstes Album heraus: "Starring Sammy Davis Jr." Das Jahr ist auch sonst ereignisreich: Bei einem Autounfall verliert er sein linkes Auge, später im Jahr konvertiert er zum jüdischen Glauben.

Als Charlie Welch ist Sammy Davis Jr. 1956 am Broadway der Star des Erfolgsmusicals "Mister Wonderful". Seine Partner sind Will Mastin und Sammy Davis sr. 383 Vorstellungen - ein sagenhafter Erfolg, zugleich der letzte Auftritt des "Will Mastin Trio". Der Erfolg macht sich bezahlt: Fernsehstudios reißen sich um Sammy, Plattenfirmen wie Konzertagenturen stehen Schlange.

Der große Kinodurchbruch heißt "Porgy & Bess". Sein Sportin' Life in Otto Premingers gewaltiger Verfilmung von George Gershwins Oper im Jahre 1959 ist Filmgeschichte.

Seit diesem Zeitpunkt nennt ihn seine Gemeinde in einem Atemzug mit Fred Astaire und Gene Kelly. Dabei bedurfte es eines gewaltigen Energieeinsatzes, dass er diese Rolle erhielt. Der kleine Schwarze, den man nicht selten den hässlichsten Mann Hollywoods nannte, kämpfte wie ein Löwe gegen Produzent Samuel Goldwyn, der von Sammy absolut nichts hielt. Doch dann gelang es Sammy, den mächtigen Studioboss in seine Show zu locken - und ihn dort zu überzeugen.

Der Film wird ein Erfolg, Sammy Davis Jr. ist nicht mehr nur ein Entertainer, Sänger und Showman, sondern auch Filmstar. Kaum jemand weiß jedoch, dass er ebenso wenig wie Sydney Poitier und Dorothy Dandridge im Film selbst singen durfte. Da ist der Tenor Cab Calloway sein Double.

Als Star wird er auf der Bühne gefeiert, doch nicht in allen Hotels wird er einquartiert. Dann wird er erneut Opfer rassistischer Schikanen, als er 1960 die blonde Schwedin May Britt, Star von Edward Dmytryks "Der blaue Engel"-Remakes, heiratet. Immerhin hält diese erste Ehe sieben Jahre - trotz der damit verbundenen Tour de Force. Gemeinsam mit May hat er die Tochter Tracy. Doch der Erfolg auf der Bühne, dem Bildschirm und der Leinwand lässt die Anfeindungen immer wieder verstummen.

Sammy ist der Moritatensänger mit dem Lied des Mackie Messer in Wolfgang Staudtes Remake der "Dreigroschenoper". Er spielt neben Dean Martin und Frank Sinatra in dem komischen Western "Die siegreichen Drei" von John Sturges (1961), als passionierten Spieler engagiert ihn 1962 Freund und Kollege Peter Lawford in seiner Produktion von William Ashers Kult-Gangsterfilm "Die Rache des Johnny Cool" und unter der Regie von Gordon Douglas spielt er in der Gangsterparodie "Sieben gegen Chicago" (1963). Zu seinen erfolgreichen Filmen gehören auch Bob Fosses Musical "Sweet Charity" (1969) mit Shirley MacLaine, die Komödie "Die Pechvögel" von und mit Jerry Lewis (1969) sowie Paul Mazurskys "Mond über Parador" (1988).

Sammy ist nicht nur Künstler, er ist auch ein engagierter Schwarzer, der für die Menschenrechte an der Seite von Martin Luther King marschiert. Er tritt bei Wahlkämpfen auf, erst für Lyndon B. Johnson und Robert Kennedy, später auch für Richard Nixon.

1972 macht er mit seiner öffentlichen Aussage gegen die Mafia Furore: Der Ausschussvorsitzende des Kongresses sagt anerkennend: "Sie sind nicht nur ein großes amerikanisches Talent, sondern überhaupt ein großer Amerikaner." Der Freund des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy hatte sich bereits Jahre vorher im Kampf gegen die Drogensucht engagiert.

In den 80er Jahren ist er oftmals krank, ein Hüftleiden und Stimmprobleme machen ihm zu schaffen, doch er steht immer wieder auf, lässt sich auf der Bühne umjubeln. 1990 wird Kehlkopfkrebs diagnostiziert, im Mai des gleichen Jahres stirbt der Allround-Künstler, der mehrere Millionen Schallplatten verkauft hat, jahrelang Star der "Sammy Davis Show" im Fernsehen war und in zahlreichen Gastspielen quer durch die ganze Welt getourt war: überall, wo er hinkam, riss er die Zuschauer 90 Minuten im Alleingang mit. Ein Jahr vor seinem Tod im Mai 1989 trat er in der Münchner Olympiahalle gemeinsam mit Frank Sinatra und Liza Minnelli auf.

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